Das Thema

Die Reihe NACHTLICHTER ist eine fortlaufende Arbeit über den Zustand des Wahrnehmens – über das Zusammenspiel aus Licht, Zeit und Erinnerung, das für einen Augenblick dasselbe wird. Die einzelnen Arbeiten zeigen, was bestehen bleibt, wenn Dinge ihre Konturen verlieren. Jedes Bild bewahrt einen Moment des Erlebens – nicht als Abbild eines Ortes, sondern als Spur des Gesehenen, geformt durch Licht, Schatten und Flächen.

Entscheidend ist, wie sich ein Ort verändert, wenn ihn Hell und Dunkel neu ordnet. Lichtpunkte werden zu kleinen Ereignissen, Straßen und Gebäude lösen sich in Flächen, Schichten und Farben auf. So entstehen Bilder, die zwischen Erkennen und Verschwimmen wechseln, zwischen dem Konkreten und dem Abstrakten.

Das Konzept

Die Wahl nächtlicher Stadträume ist kein Zufall. Die Nacht reduziert das Sichtbare auf das Wesentliche: Licht, Richtung, Kontrast. Formen verlieren ihre Schärfe, Räume werden zu Flächen. So teilt sich die Realität in zwei Ebenen – sichtbar und unsichtbar. In der Dunkelheit verliert die Welt ihre festen Konturen, und Licht wird zum eigentlichen Inhalt. Es zeigt nicht die Dinge an sich, sondern wie sie gerade wahrgenommen werden.

Urbane Räume bieten eine natürliche Struktur aus Bewegung und Reflex, aus Ordnung und Auflösung. Die Stadt ist dabei Bühne und Material zugleich. Ihre Zeichen, Lichter und Bewegungen ergeben eine Struktur aus Gegenwart und Erinnerung. Unschärfe beschreibt dieses Prinzip: Je genauer man hinsehen will, desto mehr löst sich das Konkrete auf. Es bleibt das Gefühl, nicht die Form – das Wesentliche, nicht das Detail.

Die Herangehensweise

Jede Arbeit beginnt mit einem Gang durch die nächtliche Stadt. Ohne festes Ziel, aufmerksam für das Zusammenspiel von Licht, Fläche und Dunkelheit. Die Motive entstehen nicht nur an bekannten Orten sondern auch dort, wo keine Inszenierung ist – in Nebenschauplätzen, in Übergängen, im zufälligen Moment einer Beleuchtung. Ein Motiv funktioniert, wenn sich zwischen Helligkeit und Raum eine Spannung bildet – wenn in der Ordnung der Dinge für einen Augenblick etwas Eigenes sichtbar wird.

Die Arbeit im Studio

Die Fotos werden im Atelier zur Grundlage jeder Arbeit. Flächen werden geordnet, Lichtpunkte verschoben, visuelle Balance gefunden. Jede Arbeit wächst Schicht für Schicht – wie ein Wieder-Erleben, ein Verdichten des Moments. Die Bilder folgen der Architektur des Sehens: Licht und Struktur überlagern sich, bis eine Atmosphäre entsteht, die sich nicht mehr erklären lässt und doch vertraut wirkt. Das Material – Sprühfarbe, Transparenz, Unschärfe – wird zum Werkzeug des Erinnerns. Die Herausforderung ist nicht das exakte Abbild, sondern die Bewahrung einer Stimmung – die Essenz dessen, was in diesem Moment spürbar war.

Die Titel

Jedes Werk trägt einen konkreten Titel – eine Straße, einen Platz, eine Hausnummer. Diese Präzision steht im bewussten Gegensatz zur Abstraktion des Bildes. Die Betrachterinnen und Betrachter sind eingeladen, den Ort in der Fläche zu suchen, das Bekannte im Ungefähren zu finden. Zwischen der Klarheit des Titels und der Offenheit der Malerei entsteht das Spannungsfeld, in dem die NACHTLICHTER leben.